Ein Fenster ins Jenseits
(aus „Spuk in Wien“, Bieberger, Gruber, Hasmann, Ueberreuter 2004,
gekürzt und mit Zwischentiteln versehen)
(...)
„Das ist der Beste von allen. Der hat sich bei mir vorgestellt als
Rainer Werner Fassbinder. Er hat gesagt, dass er lebt und dass es weitergeht.
Das ist der da. Sehen Sie seinen Bart und seine Nase?“
Christian Reiterer zeigt auf den Bildschirm seines Fernsehers. Ein
verschwommener weißer Fleck ist darauf zu erkennen, einem Gesicht nicht unähnlich.
Der freundliche Mann in den Vierzigern hat ein zeitintensives und
außergewöhnliches Hobby: Er filmt Gestalten und Landschaften aus dem Jenseits.
Von Beruf ist Reiterer Hausmeister. Mit seiner Frau und seinem Kater lebt er in
der Singerstraße im 1. Bezirk, nahe dem Stephansdom. Und nicht zu vergessen,
mit zahlreichen Stofftieren und Nippesfiguren, denn das Sammeln von Ziergegenständen
ist seine zweite große Leidenschaft. An der Wand des Wohnzimmers drängen sich
die technischen Geräte, jeder Quadratzentimeter in der winzigen Dienstwohnung
scheint optimal genützt.
„Das ist jetzt ein Frauenkopf, sehen Sie? Da sieht man genau die Haare,
die Augen, den Mund.“ Reiterer hat eine von mehreren Dutzend Videokassetten
seiner Sammlung eingelegt, um uns einen ersten Eindruck zu vermitteln.
Die Methode
„Wie ich das mache? Zuerst schließe ich die Videokamera an den
Fernseher an und richte sie auf den Bildschirm. Das Fernsehgerät ist nicht an
die Antenne angeschlossen und bildet den Monitor. Beim Einschalten der Kamera
kommt es dann zu einem Rückkoppelungseffekt. Das ist vergleichbar mit dem
Mikrofon einer HiFi-Anlage, wenn es zu nahe an die Lautsprecher gehalten wird
– das dabei entstehende kreischende Quietschen haben Sie sicher schon einmal
gehört. Arbeitet man aber mit Video, entstehen durch optische Rückkoppelung
zunächst pulsierende weiße Lichtflecke am Bildschirm, die ich mit der Kamera
aufnehme, so ungefähr eine Minute lang. Die eigentliche Prozedur beginnt aber
erst jetzt. Ich spiele dieses Videoband dann ab und filme es gleichzeitig
erneut. Das geht so lange, bis man in den verschwommenen Lichtflecken ein Gesicht
erkennen kann, und das arbeite ich dann so gut es geht heraus. Den Raum darf
man während der Aufnahme nicht verdunkeln, und die Einspielungen sollten in
Schwarzweiß aufgenommen werden, damit die Konturen gut erhalten bleiben.“
Manchmal benötigt er bis zu acht Stunden, um eines dieser Bild
herauszuarbeiten. Die Technik macht sichtbar, was das menschliche Auge nicht
mehr erfassen kann.
Die Vorgeschichte
Erfunden hat Reiterer diese Methode aber nicht. Sie geht auf den
Deutschen Claus Schreiber zurück, der sie bis zu seinem Tod 1988 intensiv
weiterentwickelt hat. Der Aachener hatte eine Reihe schwerer Schicksalsschläge
zu verkraften, im Laufe weniger Jahre war ihm durch Unfälle und Krankheiten seine
ganze Familie genommen worden. Unter allen Umständen wollte er Kontakt mit
seinen toten Angehörigen aufnehmen und experimentierte zuerst mit
Tonbandeinspielungen. Seine mit achtzehn Jahren verstorbene Tochter soll ihm
auf diesem Weg den entscheidenden Anstoß gegeben haben: Video.
Die spannende Entwicklungsarbeit beschreibt Georg Biron in seinem Buch
Übersinnliche Hightech-Kontakte.
Mit einem einfachen Recorder und einer handlichen Videokamera begann
Schreiber seine Experimente. Weder wollte er Antworten auf philosophische Fragen
finden, noch wissenschaftliche Beweise erbringen, seine einzige Intention war
es, Kontakt mit seinen Verstorbenen aufzunehmen.
Versuche mit verschiedensten Kameraeinstellungen und Perspektiven
brachten den leidenschaftlichen Bastler allerdings nicht weiter. Bis er wieder
einen Hinweis via Tonband erhielt: Spiegel. Konnte damit vielleicht die
Verspiegelung gemeint sein, die auftritt, wenn die Kamera den Bildschirm des
Fernsehapparats aufnimmt, der das Bild zeigt, das die Kamera macht, die den
Bildschirm aufnimmt? Claus Schreiber erhielt auf diese Weise je nach Standort
der Kamera ständig andere Motive aus Licht und Schatten: schneckenförmige
Gebilde, unendlich scheinende Korridore, bizarr verschlungene Muster und sich
endlos drehende Spiralen. Was er aber nicht sehen konnte, das waren seine
Freunde aus der anderen Dimension...
Unermüdlich forscht er weiter. Jede freie Minute verbringt er im Keller
seines Hauses. Weitere Botschaften folgen, die ihm den richtigen Weg weisen: Halte
deine Kamera ins Fernsehen und Leerer Kanal und schließlich Komm
nicht in Farbe, sondern schwarzweiß; du erkennst uns sonst nicht!.
Eines Tages, nach einer langen Versuchsreihe, taucht dann auf dem
Bildschirm ein kleiner, weißer Fleck auf, dessen Konturen sich verändern. Im
unruhigen Flimmern glaubt Schreiber für einen kurzen Augenblick eine schemenhafte
Gestalt zu erkennen, die wie eine Figur im Nebel aussieht....
Bild stoppen lautet der nächste
Tipp vom Tonband. Schreiber spult das Band zurück, sucht die Stelle und drückt
die Stopptaste. Deutlich kann er nun das Gesicht einer Frau sehen. Um das
flüchtige Bild auf dem Monitor kopieren zu können, muss er sich eine zweite
Kamera kaufen, da das Standbild seines Videorecorders bereits nach kurzer Zeit
kippt. Und jetzt erkennt er die Frau auf dem Bildschirm. Es ist seine Tochter
Karin, die vor Jahren gestorben ist. Mit der Zeit zeigen sich auch weitere verstorbene
Familienmitglieder und Freunde über Video...
Claus Schreiber macht die Bekanntschaft des Aachener Diplomingenieurs
Martin Wenzel. Als Techniker steht Wenzel den Phänomenen in Schreibers
Reihenhaus anfangs äußerst skeptisch gegenüber. Videobilder aus dem
Jenseits und Stimmen der Toten auf Tonbändern – das scheint dem
rational veranlagten Wenzel mehr als unglaubwürdig. Diesen Schwindel
will er aufdecken.
Schreiber macht keine Geheimnisse aus seinen Versuchen im Keller. Er
beantwortet Wenzels Fragen geduldig, lässt ihn jedes seiner Geräte ausführlich
untersuchen und zerlegen. Wenzel hält eine technische Erklärung für diese eigenartigen
Bilder immerhin für möglich, aber nach all seinen Untersuchungen ist er
ratlos.
An den Geräten, die in jedem Fachgeschäft zu kaufen sind, kann es nicht
liegen. Zwar hat sie Schreiber in einer Art und Weise aufgebaut, die kein
geschulter Techniker gutheißen würde, aber Wenzel schließt betrügerische Absichten
seines neuen Freundes mit Nachdruck aus.
In Rainer Holbes Buch Bilder aus dem Reich der Toten kommentiert
Wenzel seine Untersuchungen:
„Die beschriebenen Einspielmethoden haben alle eines gemeinsam: Sie sind
ein Angebot an Energie in einem geschlossenen Kreis in labilem Zustand. In
diesem Zustand kann die Struktur dieser Energie, das heißt Frequenz und
Amplitude, mit geringstem Aufwand zusätzlicher Energie modifiziert werden.
Sind die Stimmen und Bilder nun echt, das heißt, tatsächlich
die Manifestationen jenseitiger Wesenheiten?
Nach mehr als einem Jahr genauer Beobachtung der Vorgänge steht das
auch für mich absolut fest. Eine Projektion aus der Psyche des Claus Schreiber
auf die Bänder... ist auszuschließen, da recht häufig Vokabel gebraucht und
von Schreiber klar gehört werden, die nicht zu seinem Wortschatz gehören. Er
versteht die Worte zwar akustisch, aber nicht immer ihren Inhalt... Bei den
Tonband- und Videoeinspielungen handelt es sich mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit um Informationen aus dem mit Jenseits bezeichneten
Bereich.“
Im selben Buch erwidert Claus Schreiber seinen Skeptikern: „Wenn ein
Schiff auf das Meer hinausfährt, dann können wir es nach einer Weile nicht
mehr sehen, weil es hinter dem Horizont verschwindet. Trotzdem ist es noch
vorhanden. Keiner wird die Existenz von Rundfunkwellen leugnen. Sie sind da.
Wir brauchen nur Geräte, um sie hörbar zu machen. Oder wo sind am Tag die Sterne?
Wir sehen sie nicht, weil die Sonne heller strahlt als sie, aber sie sind da.
Genauso ist es auch mit den Jenseitigen.... Wir können sie nicht erfassen,
aber erfahren.“
Ein Hausmeister wird „Jenseitsforscher“
Christian Reiterer serviert uns einen ganzen Berg Kuchenstücke und
krault seinen Kater. „Der Phillip ist nicht ängstlich. Aber der vorher, der
Strizzi, der hat einmal einen verkehrten Salto gemacht. Das war bei dem allerersten
Gesicht, dem Rasputin. Er hat seinen Schwanz aufgestellt und ist raus
aus der Tür.“
Der Hausmeister mit dem netten Wiener Dialekt hat nie ein Geheimnis aus
seiner Freizeitbeschäftigung gemacht. Nach einigen Medienauftritten kamen daher
immer wieder Leute mit privaten Anliegen zu ihm.
„Es waren schon welche da, die erkannten eindeutig ihre Verwandten
wieder. Aber andere wurden böse, weil nicht gleich alles so zu Stande kam, wie
sie sich das vorgestellt hatten. Ich kann das schließlich nicht beeinflussen.
Das sind Zwischenwelten, das kommt alles aus dem Unterbewusstsein. Bei diesen
Wesenheiten ist das auch nicht anders als bei uns – wenn das Telefon läutet,
dann heb’ ich auch nur ab, wenn ich will.“
Eine ganze Reihe von verstorbenen Prominenten will der Geisterfilmer
schon auf Zelluloid gebannt haben: Paul Hörbiger, Marlene Dietrich, Mahatma
Ghandi und eben Rainer Werner Fassbinder, sowie den russischen Wundermönch
Rasputin. Wir rätseln, warum sich wohl so viele tote Berühmtheiten in dieser
Wohnung einfinden. Reiterer glaubt, dass sich auch viele Foppgeister bei
ihm mit falschem Namen vorstellen. Offenbar gibt es auch unter Geistern
Hochstapler.
Welche Erlebnisse haben bei ihm die Entwicklung zum Jenseitsforscher
eingeleitet?
„Es ist schon ewig her. Ich malte damals einen ganzen Tag lang an einem
Bild. Am Abend betrachtete ich zufrieden mein Werk. Dann stellte es mir
plötzlich die Haare auf, denn auf dem Gemälde manifestierte sich das Gesicht eines
Mannes mit Bart und gewelltem Haar. Nach wenigen Sekunden war es wieder weg.
Damals dachte ich mir schon, so etwas müsste man irgendwie festhalten können.
Weil wenn man auf etwas wartet, so wie diese ganzen Geisterjäger, dann kommt
eh nichts. Aber kaum rechnet man nicht damit, fliegt einem alles zu.
Tonbandstimmen
Einige Zeit später fuhr ich an einem Tag im September auf den
Zentralfriedhof, um das Grab eines Bekannten zu besuchen. Nachher wartete ich
auf die Straßenbahn. Es war ein windiger Tag, und auf einmal flog so ein
Papierfetzen auf mich zu. Zuerst wollte ich den Zettel wegkicken – diesen Drang
hab’ ich als Hausmeister“, lacht Reiterer, „aber dann hob ich ihn doch auf. Auf
der Vorderseite stand Ghost, auf der Rückseite waren ein paar Adressen drauf,
alle zum Thema Esoterik. Eine davon war vom Verein der Tonbandstimmenforschung.
Nachdem ich nicht an einen Zufall glaubte, fuhr ich kurz darauf dort
hin und stellte mich beim Obmann, dem Hans Luksch, vor. Es kamen weitere
Leute, und ich wurde aufgefordert, mir ihre Sitzung doch einmal anzuschauen.
Wenn ich Lust hätte, könnte ich auch jemand Verstorbenen rufen. Zunächst
hörte ich mir die anderen an. Manche wollten mit ihren Kindern sprechen, ein
paar mit ihrer Großmutter. Mein Herz raste, ich war furchtbar aufgeregt. Dann
kam ich an die Reihe. Ich nannte meinen Namen und bat meinen Vater, sich zu
melden und mir mitzuteilen, ob es ihm gut gehe. Später spielten wir das Band
ab. Es war ein Gewirr, ein Krachen, ein Sammelsurium an Geräuschen. Zuerst
konnte ich überhaupt nichts herausfiltern, doch dann die Stimme einer Teilnehmerin,
die nach ihrem Kind rief. Sie fragte: Was habe ich dir in den Sarg mitgegeben?
Ich hörte als Antwort etwas von einer weißen Robbe und informierte
die Runde davon. Darauf sprang die Frau kreidebleich auf: Ich hab’ ihr ein
Stofftier mitgegeben, eine weiße Robbe! Da bekam ich eine Gänsehaut...
Der Kontakt mit meinem Vater jedenfalls gelang gleich beim ersten Mal.
Er sagte: Bua, mir geht’s wunderbar! Ich bin jetzt drüben, keine Sorgen!
Er hatte eine hohe Stimme gehabt, und ich hab’ sie eindeutig erkannt. Das war
sehr schön für mich.“
Reiterer taucht aus seinen Gedanken auf und zeigt wieder auf den Fernseher. „Das ist eine Landschaft,
die Sie da sehen. Ein Dorf oder so was ähnliches.“
Wir betrachten die weiß-grauen Häuser auf dunklem Hintergrund. Das Plätschern
eines kleinen Zimmerbrunnens und das behagliche Schnurren des Katers sorgen
für eine fast beschauliche Stimmung.
„Mit der Zeit wurden die Ergebnisse bei diesen Sitzungen immer besser.
Eines Tages sagte eine Stimme: Geh’ über Video! Ich fragte den Luksch,
was das bedeuten soll. Er erzählte mir dann von einem Mann in Deutschland, der
die Jenseitigen filmt. Sein Name war Claus Schreiber. Der soll sogar
sprechende und sich bewegende Gestalten aufgezeichnet haben. Wenn die in
Deutschland das können, werden wir das auch schaffen, sprach mir der
Luksch Mut zu. Also kaufte ich gleich alles ein, was ich dazu brauchte: Kameras,
Videorecorder... Ich stürzte mich sofort riesig in Schulden.“ Er lacht.
„Der Deutsche hatte einen Keller, der mit Silberpapier ausgelegt war.
Das soll angeblich alles Negative abschirmen, was weiß ich. Darauf hab’ ich
jedenfalls verzichtet. Ich dachte, was kommt, soll eben kommen. Dann machte
ich eine Einspielung nach der anderen und versuchte alles Mögliche. Am Anfang
gelang gar nichts. Doch eines Tages erschien dieser Kopf, der sich als Rasputin
vorstellte. Mit der Zeit erlernte ich die Feinheiten, um die Ergebnisse zu
verbessern. Manipulieren kann man da aber nichts. Das einzige Problem ist, dass
selten die kommen, die ich rufe. Deshalb lehne ich auch das Tischerlrücken für
mich ab. Da erreicht man hauptsächlich Foppgeister, und die bringen selten was
Positives mit.“
Warum?
Was fasziniert Christian Reiterer so daran, mit dem Jenseits zu
kommunizieren?
„Wir haben doch alle Angst vor dem, was danach kommt. Auf der ganzen
Welt versuchen Millionen Menschen, etwas über das Jenseits zu erfahren. Die
meisten geben aber nicht zu, dass sie sich mit dieser Materie beschäftigen.
Auch ich hab’ Angst – nicht vor dem Tod, sondern nur vor dem Übergang, dem Weg,
den wir vom Diesseits ins Jenseits gehen müssen. Das Fegefeuer halte ich für
einen Blödsinn, genauso wie die Hölle. Es gibt eine höhere Macht, das ist Gott.
Aber wenn wir uns anschauen, wie viele Grausamkeiten es auf dieser Welt gibt,
wie viele Kriege und das ganze Leid, da glaube ich, dass wir uns bereits im
Fegefeuer befinden. Sicher, es gibt auch viele schöne Momente im Leben, aber
meistens leiden wir doch, entweder seelisch oder körperlich.“
Ein kleiner Hausaltar mit einer Madonnen-Statue aus Lourdes steht im
zweiten Raum von Reiterers Wohnung. „Ich bin sehr religiös, ein Anhänger der
Mutter Gottes. Meine Tochter war im Alter von sechs Jahren sehr schwer krank:
infektiöse Gelbsucht, also Hepatitis C. Die Ärzte hatten sie bereits aufgegeben,
aber ich wollte mir mein Kind nicht wegnehmen lassen. Also kündigte ich
meinen damaligen Job und wachte Tag und Nacht an ihrem Bett. Lachen Sie mich
bitte nicht aus, aber ich schnitt ihr sogar ein Büschel Haare ab und lief damit
in den Stephansdom. Ich schrieb der Mutter Gottes in ein Büchl: Bitte nimm
mir nicht mein einziges Kind! Dann betete ich jeden Tag und legte meiner
Tochter auch die Hände auf. Irgendwie wurde sie gesund, und die Ärzte standen
vor einem Rätsel. Die Leber wurde wieder kleiner, und das Virus verschwand
komplett aus ihrem Körper. Der Mensch kann oft mehr bewerkstelligen, als er
sich selbst zutraut. Der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge.“
Reiterer zieht ein Foto aus einer Vitrine hervor. „Heute ist sie
dreiundzwanzig und völlig gesund. Ich bin so froh, dass sie so groß geworden
ist.“ Ein hübsches dunkelhaariges Mädchen lacht uns von dem Bild entgegen.
In einem Magazin, das vor mehreren Jahren eine Reportage über Reiterer
und seine Videoexperimente gebracht hat, entdecken wir ein merkwürdiges Foto:
Es zeigt einen Sarg während eines Begräbnisses. Der Sargdeckel steht einen
Spalt breit offen.
„Gut, dass Sie mich daran erinnern. Der Luksch vom Verein starb Mitte
der neunziger Jahre. Vor seinem Tod versprach er uns, dass er noch ein Zeichen
geben würde. Auf dem Begräbnis hatte ich die Filmkamera dabei. Bevor sie den
Sarg in der Erde versenken wollten, ging dann plötzlich der Deckel auf. Ich
lüge Sie nicht an, ich hielt das alles mit der Kamera fest. Am nächsten Tag
sprach ich mit den Leuten vom Beerdigungsinstitut darüber. Sie meinten: Das
gibt es nicht, der Deckel war fest zugeschraubt. Selbst das Bild konnte
sie nicht davon überzeugen. Aber ich bin mir sicher, das war das Zeichen vom
Luksch.“ (...)
(„Ein Fenster ins Jenseits“, gekürzt, aus „Spuk in Wien“,
Bieberger, Gruber, Hasmann, Ueberreuter 2004)